Generationenwechsel in der Geschäftsführung des NeuroKom Tölz - Bahr verlässt Doppelspitze aus Altersgründen

Generationenwechsel bei NeurokomDer Gründer und Mit-Geschäftsführer des NeuroKom Bad Tölz, Eberhard E. Bahr, wird zum 01.07.2015 seine Tätigkeit niederlegen und aus der Geschäftsführung ausscheiden. Grund dafür ist der Generationenwechsel, den der 75-jährige Bahr einläuten möchte. Bisher gab es in der Geschäftsführung des NeuroKom beziehungsweise deren Trägergesellschaft GFG gGmbH eine Doppelspitze mit Silvia Ulze und Bahr. Während Ulze Geschäftsführerin bleiben wird, wird für Bahr die Wackersbergerin Ursula Rammelmaier nachrücken.
„Als ich 1990 für die Stiftung Pfennigparade in München den Prototypen der Tölzer NRE gegründet habe, die sich von 1995 bis heute trotz aller Widerstände zum NeuroKom Bad Tölz entwickelt hat, gab es in Europa noch keine vergleichbaren Rehabilitationsangebote für Menschen, die eine plötzliche Hirnverletzung erlitten haben. Meine Vision war, jenen Menschen in unserem Sozialstaat wieder einen eigenen Platz zu geben, so wie es mit anderen von schweren Schicksalen betroffenen Menschen auch möglich ist“, so Bahr im Rückblick auf die Anfangsjahre in Bad Tölz um das Jahr 1995.
Wenn er nun die Entwicklung der letzten 20 Jahre betrachte, habe sich diese Vision erfüllt, so Bahr:
„Im November 1995 haben wir mit fünf Bewohnern begonnen, die direkt aus der Klinik zur NeuroRehabilitation nach Bad Tölz gekommen waren. Nun begleiten wir gut 100 Bewohner auf ihrem Weg zurück zu einem neuen, möglichst selbst bestimmten Leben.“
„Es erfordert eine beträchtliche Energie, Notwendiges im Sinne gemeinnütziger Angebote durchzusetzen, wenn hierfür noch keine entsprechende Basis im Gesetz verankert ist. Eberhard Bahr hat trotz aller Widrigkeiten beispiellos den Grundstein für die Versorgung von Menschen mit Hirnschädigung gelegt. Ich danke ihm für seinen Pioniergeist, mit dem er die Basis für das heutige NeuroKom Bad Tölz geschaffen hat“, so Geschäftsführerin Silvia Ulze.
„Gleichzeitig möchte ich im Namen der gesamten Einrichtung herzlich meine neue Kollegin in der Geschäftsführung, Ursula Rammelmaier, willkommen heißen.“
Die 35-jährige gebürtige Tölzerin Ursula Rammelmaier, hat nach ihrem Abschluss zur hauswirtschaftlichen Meisterin und anschließend zur Intensivkrankenschwester, ein Studium der Heilpädagogik absolviert, um dann die heilpädagogische Arbeit und die, der Integration von mehrfach behinderten Jugendlichen aufzunehmen. Durch zusätzliche umfangreiche Fortbildungsmaßnahmen im Bereich Pflege, Pädagogik und therapeutische Arbeit hat sie sich als Koma-Expertin einen Namen gemacht. Sie gibt Supervisionen im Intensiv–Pflege–Bereich, hält Fachvorträge in sozialen Einrichtungen und betreut verschiedene Gruppen von Angehörigen.
Zuletzt war Frau Rammelmaier im Seminar St. Matthias in Waldram als Betriebsleitung und Präventionsbeauftragte tätig und ist somit ausgezeichnet für die neue Aufgabe als Geschäftsführerin qualifiziert. Auch sie wünscht dem scheidenden Bahr alles Gute für seine weitere Zukunft. „Es ist beachtlich, was Frau Ulze und Herr Bahr in den letzten 20 Jahren aufgebaut haben. Ich freue mich, die Arbeit der beiden Geschäftsführer in den nächsten Jahren als Teil der Doppelspitze mit Silvia Ulze weiterzuführen“, so Rammelmaier zuversichtlich.
Ein Wunsch sei für den 75-Jährigen Bahr in all den Jahren dennoch nicht in Erfüllung gegangen: Eine rechtliche Verankerung von Menschen mit plötzlich erlittener Hirnverletzung im Sozialgesetzbuch.
Bisher gäbe es nur drei sozialrechtliche Kategorien von Behinderung: körperlich, geistig, seelisch. Diese Einstufungen würden den hirnverletzten Menschen und deren vielfältigem Reha-Bedarf nicht gerecht.
So wünscht sich der scheidende Geschäftsführer, dass „Menschen mit plötzlich erlittener Hirnverletzung auch in den Gesetzestexten des SGB berücksichtig werden, um so eine echte Chance zu bekommen, wieder teilzuhaben an allen Facetten des allgemeinen Lebens.“